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Sozialraumanalyse

"Wir wollen etwas "Gutes" tun, etwas für Menschen am Rande der Gemeinde und Gesellschaft, etwas für die Armen, die Einsamen, die Ausgegrenzten!" Oft fehlt es in Gemeinden nicht an Motivation und auch nicht an Menschen, die sich engagieren wollen. Aber: Wo sind die Hilfsbedrftigen? Wie kann ich helfen? Wie erreiche ich die, die Hilfe wirklich nötig haben, und was hilft ihnen wirklich? Die Sozialraumanalyse ist ein Instrument, das Klarheit bringen kann.

Lebensraum
Wie ist der Raum, der mich interessiert, geographisch abgegrenzt? Um welches Dorf, welches Viertel, welches Quartier geht es? Mit diesen Fragen beginnt die Lebensraumanalyse. Je nach Interessenlage fragt sie weiter: Wie viele Senioren, wie viele Kinder, wie viele Menschen, die Arbeitslosengeld 2 bekommen, leben hier? Aber die Lebensraumanalyse erkundet auch, welche Angebote es vor Ort gibt, welche Kindertagesstätten, welche Begegnungsstätten, welche Beratungsangebote. Die Lebensraumanalyse versucht also die Fakten, das objektiv Erfassbare, so genau wie möglich und nötig zu erfassen. Die Grenzen können dabei nicht die Grenzen der Kirchengemeinde sein. Viele Informationen stehen heute ber das Internet zur Verfgung, z. B. das statistische Landesamt oder http://www.wegweiser-kommune.de/.

Lebenswelt
Wer sich diakonisch engagieren will, sollte bei den objektiven Gegebenheiten nicht stehen bleiben. Wer weiß, wie viele Kindergärten es gibt, weiß deshalb noch lange nicht, wie die Kinder und Eltern dieses Angebot erleben und annehmen. Die Zahl der Beratungsstellen sagt noch nichts darüber aus, ob die Betroffenen selbst dieses Angebot kennen und als hilfreich erleben. Wer also wirklich etwas "Gutes" tun will, muss die Betroffenen fragen, sich von ihnen ihre Welt, ihr Dorf, ihre Stradt, ihre Schule ... zeigen lassen. Er muss sie fragen, welche Wünsche sie haben und wo aus ihrer Sicht Mangel besteht. Methoden gibt es dabei viele: Vom Fragebogen über den Dorfrundgang bis zum Fotoprojekt ist vieles möglich und hilfreich. Die Sozialraumanalyse eröffnet die Chance, Betroffene zu Experten zur Bewältigung ihrer eigenen Probleme zu machen.
Wer sich eine Sozialraumanalyse vornimmt, sollte aber auch frühzeitig den Datenschutz im Blick haben. Standard muss es sein, dass sich alle Mitarbeiter zur Verschwiegenheit verpflichten. In bisherigen Umfragen hat sich gezeigt, dass Betroffene sehr wohl bereit sind, ber sich und ihre Situation Auskunft zu geben, wenn ihnen Anonymität zugesichert wird. Alles aber, was z. B. im Rahmen einer Präsentation der Ergebnisse zur Stigmatisierung von Menschen beitragen könnte, muss im Vorfeld bedacht und vermieden werden.

Die Analyse vor der Aktion
Wer sich entschließt, eine Sozialraumanalyse durchzuführen, tritt einen Schritt zurück. Er entscheidet sich, vor der Aktion hinzusehen und hinzuhören, nicht zu handeln, sondern wahrzunehmen. Denn was den Menschen gut tut, dass wissen diese oft selbst am besten und nicht wir, die "Gutes" tun wollen. Erst zu analysieren und dann zu handeln, ist nicht immer einfach. Aber die Sozialraumanalyse hilft uns, die Menschen zu erreichen, die wir erreichen wollen, und ihnen so zu helfen, wie es ihnen gut tut.


Tageslosung

Der HERR ist seines Volkes Stärke.

Psalm 28,8

Kirche im Remstal