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Sozialraumanalyse Murrhardt

Ein Blick hinter die Kulissen

Hinsehen, nachfragen, überlegen – und dann gemeinsam handeln; darum geht es in der Sozialraumanalyse. Die alte Klosteranlage in Murrhardt ist sehenswert und die an die Klosterkirche angebaute romanische Walterichskapelle ein Kleinod. Seinen Besuchern hat Murrhardt einiges zu bieten. Wer sich hierher aufmacht, hat eine Schwäche für Kirchenbau, interessiert sich vielleicht für die Römer, die hier viele Spuren hinterlassen haben, oder sucht einen Ausgangspunkt für Ausflüge im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.

Ein Besucher Murrhardts muss schon schon sehr genau hinsehen, um zu bemerken, dass hier die SGB II-Quote – also der Menschen, die von Hartz IV leben – deutlich über dem Durschnitt des Landkreises Rems-Murr liegt. Er muss auch Statistiken befragen, um zu erfahren, dass hier mehr als 300 Personen arbeitslos gemeldet sind. Dass hier ca. 70 Alleinerziehende wohnen, die von Hartz IV leben, sieht natürlich niemand auf den ersten Blick.

Hinter die Kulissen zu schauen, besser zu verstehen, wie die Menschen in Murrhardt leben, was sie umtreibt, was sie gerne anders hätten, das haben sich die evangelische Kirchengemeinde in Murrhardt und der Kreisdiakonieverband Rems-Murr-Kreis im Januar 2012 vorgenommen und eine Sozialraumanalyse durchgeführt. So wurden einerseits Zahlen und Fakten über die soziale Lage zusammengetragen. Andererseits wurden Menschen gebeten, Auskunft zu geben über sich und ihr Leben.

Es zeigt sich, dass auch in einer Kleinstadt wie Murrhardt das Leben vielsprachig und multireligiös ist. So gibt z. B. ein Drittel der Eltern in einer der Kindertagesstätten an, dass zuhause überwiegend die Muttersprache der Eltern und nicht deutsch gesprochen wird. Auch gehört die Hälfte der Eltern in diesem Kindergarten nicht der evangelischen Landeskirche an. Die Gruppe der muslimischen Kinder ist dabei die zweitgrößte nach den evangelischen.

Was aber in einem Kindergarten gilt, kann für einen anderen – nur wenige Gehminuten entfernt – schon ganz anders aussehen. Es lohnt sich, sehr genau hinzusehen. Während z. B. in einem Kindergarten jede vierte Familie drei oder mehr Kinder hat, dominiert im anderen klar das Familienmodell mit zwei Kindern. Auch dies trägt mit zu den großen Einkommensunterschieden der Familien bei – wobei es hierfür natürlich noch viele andere Gründe gibt. Trotzdem überrascht bei der Auswertung, dass das Einkommen in einem der Kindergärten bei einem Drittel der Familien unter der Armutsgefährdungsgrenze liegt (im Jahr 2010 ca. 895 € pro Person). Dabei ist natürlich zu beachten, dass eine statistische Aussage nicht pauschal auf jede Person übertragen werden kann.

Aus diesen Ergebnissen haben die evangelische Kirchengemeinde und der Kreisdiakonieverband Rems-Murr-Kreis Konsequenzen gezogen. Da für Familien mit geringem Einkommen sozialrechtliche Fragen große Bedeutung haben, wird Beratung zu diesem Themen direkt im Kindergarten angeboten. Für Eltern, die sich über Erziehung austauschen wollen – und hier wurde deutlich Interesse signalisiert –, finden zwei Kurse statt – unterstützt vom Programm STÄRKE. Parallel gibt es – da Kreisdiakonieverband und Kindergärten zusammen arbeiten – immer Kinderbetreuung, um es den Eltern zu erleichtern, dieses Angebot zu nutzen. Der Kreisdiakonieverband ist auch an der Gründung des Vereins Murrhardter Tafel e. V. beteiligt. Dies ist ein weiterer Baustein des Engagements des Kreisdiakonieverbandes, der sich aus dem Blick hinter die Kulissen ergeben hat.


Tageslosung

Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf.

Psalm 49,16

Kirche im Remstal